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Grabungskampagne 2019 (05.08.-03.09.2019)

 

Die Arbeitsschwerpunkte lagen 2019 zum einem im Bereich der späthelladischen Siedlung. Dies umfasste den Abschluss der Feldarbeiten im Rahmen des 2014 begonnenen Projektes „Early Mycenaean Aegina“ (Areal A) sowie Untersuchungen in zwei Arealen des östlichen und südlichen Siedlungsareals, die neue Hinweise auf Siedlungsgröße, Funktion und Bedeutung des mykenischen Kolonna versprachen (Areale B und C). Zum anderen lag ein Fokus auf einer weiteren Ergänzung des Steinplanes mit bisher undokumentierten Strukturen im Westen des Kaps in Areal WL (Areal D).

 

 

1. Grabungen in der Äußeren Vorstadt

Steinplan der Kammern K10 und K07 mit Lage des Kindergrabes in Mauer M227.
Steinplan der Kammern K10 und K07 mit Lage des Kindergrabes in Mauer M227.

 

1.1. Kammer K10

Kammer K10 mit Mauer ST345/M346.
Kammer K10 mit Mauer ST345/M346.

Die Untersuchungen in KAMMER K10 in der Äußeren Vorstadt im Osten der Siedlung wurden vorläufig abge-schlossen. Unter einem Fußboden im Nordosten der Kammer kam die Fortsetzung einer Steinstruktur (ST345) zum Vorschein, die bereits 2018 zum Teil freigelegt worden war: Diese als M346 bezeichnete Fortsetzung im Nordosten bilden fußballgroße Steine, die in direkter Verlängerung von ST345 liegen. Der Westteil der Mauer M346 wurde nachträglich durch den Einbau eines großen Steinblockes (no.2) und einer Psammit-Platte auf einem Lehmblock (no.1) verändert. Die Funde legen eine Datierung der Mauer in die Übergangsphase MH III/SH I nahe.

Psammitplatte no.1 auf Lehmblock mit eingezeichneter Grube in M346 (links); SH I-zeitliches Keramik-fragment und Mahlstein aus der Grubenverfüllung um den Lehmblock unterhalb Psammitplatte no.1 (rechts).

 

 

1.2. Kammer K07

In der westlich anschließenden KAMMER K07, die frühestens in Phase SH IIA durch die Errichtung der Mauern M177 und M217 einen schmalen Zugang zu Kammer K10 bildete, fand sich unterhalb einer älteren, nordsüdlich verlaufenden Steinstruktur (ST350) eine bis zu 20 cm dicke, stark (um ca. 0,5 m) von Westen nach Osten abfallende Schicht, die bis unterhalb der Struktur ST345 in K10 verläuft. Die Schicht enthielt neben einigen mittelhelladischen Keramikfragmenten auffallend viele Holzkohlestücke und zerbrochene Purpurschneckenschalen, die eindeutig Abfallprodukte im Zuge einer Produktion von Purpurfarbe darstellen.

Dieser Befund ist von besonderer Bedeutung, da die Purpurfarbproduktion bereits durch Funde in diesem Areal aus den Jahren 2016/17 für die spätere Phase SH IIA nachgewiesen werden konnte. Die Purpurschneckenschicht in K07 läuft auch nach Norden und Süden unter den Mauern M177 und M217 weiter. Dieser Produktionsabfall vom Ende des Mittel-helladikums wurde offensichtlich verlagert und deutet nicht zwingend darauf hin, dass die Aktivität im Areal der Äußeren Vorstadt stattfand. Es kann sich auch um eine sekundäre Deponierung aus der mittelhelladischen Inneren Vorstadt handeln.

 

 

1.3. Spätbronzezeitliches Kindergrab in Mauer M227

Bei Mauersanierungsarbeiten südöstlich von K10, trat ein Kindergrab zu Tage. In der Mauer M227 war ein neugeborenes Kind in einer Kiste aus vergänglichem Material, abgedeckt mit einer Steinplatte, bestattet worden.

Das Kind lag in seitlicher Hockerstellung mit dem Kopf nach Westen, der zusätzlich mit aufrechten Steinen geschützt war. Als Beigabe fand sich ein SH I- IIA zeitliches, musterbemaltes Alabastron, dessen ursprünglicher Gefäßinhalt Ziel geplanter Analysen sein wird. Auch die anthropologischen Unter-suchungen sind noch nicht abgeschlossen.

Schrägansichten des Grabes mit der Deckplatte (oben) und geöffnet (unten).
Schrägansichten des Grabes mit der Deckplatte (oben) und geöffnet (unten).

 

 

1.4. Schnitt MD1 im Südosten der Äußeren Vorstadt

Steinplan der älteren Grabungen im Bereich des sog. Megaron D mit der Untersuchungsfläche 2019 in Gelb.
Steinplan der älteren Grabungen im Bereich des sog. Megaron D mit der Untersuchungsfläche 2019 in Gelb.

Südwestlich eines in den 1980er Jahren nicht vollständig freigelegten SH IIIA-B zeitlichen Gebäudes (sogenanntes Megaron D) wurde ein Schnitt angelegt, um dessen Ausdehnung sowie die detaillierte Stratigraphie zu untersuchen. Im ungestörten Westteil der Unter-suchungsfläche zeigte sich eine komplexe Abfolge mehrerer Mauern: M347 und die schmalere Mauer M348 weisen eine längere Nutzungsdauer mit Reparaturphasen auf und begrenzen einen hart getretenen Lehmfußboden. Die keramischen Funde datieren die Strukturen in die Phasen SH IIB-SH IIIA. Unterhalb dieses Bodens liegen, weiter westlich, eine weitere Mauer (M349) sowie ein älterer Fußboden. Die ca. 75cm breite Mauer M347 entspricht in Aufbau und Machart der parallel verlaufenden Ostmauer des Megaron D. Obwohl ein baulicher Zusammenhang naheliegt, kann die Bedeutung dieser Ergebnisse erst durch weitere Untersuchungen in den kommenden Jahren geklärt werden.

Schnitt MD01.
Schnitt MD01.
Schrägansichten der Mauern M347, M348 und M349.
Schrägansichten der Mauern M347, M348 und M349.

 

 

2. Schnitt SH01 am Südhang

 

Die Frage der Ausdehnung der mykenischen Siedlung stand bei der Untersuchung eines Schnittes im Südosten im Mittelpunkt, da in diesem Bereich bei früheren Grabungen späthelladische Terrassenmauern und Böden bzw. Nutzungshorizonte freigelegt worden waren. Bei den Grabungen von 2019 zeigte sich überraschenderweise keinerlei Nutzung oder Bebauung des östlich direkt anschließenden Areals.

 

 

3. Mauersanierung und Geländeauffüllungen

 

Ein besonders wichtiges Anliegen der Arbeiten in Kolonna ist seit Jahren die Pflege des Grabungsareals und der freigelegten Baustrukturen. 2019 wurde daher die Sanierung der gefährdeten Mauerabschnitte im Nordosten Kolonnas fortgesetzt. Ein Hauptaugenmerk wurde auch auf die stark unterspülten historischen Fundamente im Osten gelegt.

Nach einem Test im Vorjahr, begann 2019 auch die Geländeauffüllung archäologisch bereits untersuchter Bereiche. Diese Maßnahme ist zum Schutz der freigelegten Mauerfundamente notwendig. Dabei wird der Boden mit einem wasserdurchlässigem Flies bedeckt, darüber werden Steine gelegt und das Gelände mit gesiebter Erde aufgefüllt.

 

 

4. Plaufnahme im Areal WL

 

Im Westen des Grabungsgeländes wurde die Planaufnahme im sogenannten Areal WL fortgesetzt. Die baulichen Strukturen wurden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jhs. freigelegt, blieben jedoch bis heute undokumentiert.

Grabungsleitung: L. Berger (Universität Salzburg)

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: R. Kahlenberg (Universität Salzburg), C. Regner

(Schnittleitung), R. Smetana (Fundaufnahme), A. Tanner (Universität Zürich, Mauersanierung)

Studierende: M. Berner, V. Führer, L. Ludwikowski, H. Ritzinger, A. Windischbauer (alle

Universität Salzburg); M. Eigel (Universität Zürich)

Temporäre MitarbeiterInnen: M. del Negro (Universität Salzburg; Fotografie); E. Humer

(Universität Salzburg; Keramikzeichnungen); K. Vafeiado und C. Kalliontzi (beide Universität Thessaloniki, Archäobotanik)

Kooperationen: ÖAI Athen; H. Birk (Geodäsie); A. Karathanou (Universität Thessaloniki,

Archäobotanik); G. Fostenpointner und G. Weissengruber (VetMedUni Wien, Archäozoologie); T. Karkanas (M. Wiener Lab ASCSA, Mikromorphologie)

 

Finanzierung: Universität Salzburg, INSTAP Philadelphia (U.S.A.)


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