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Die chalkolithischen Statuetten von Ägina-Kolonna

1994 wurden im Zuge der Ausgrabungen von Kolonna/ Innenstadt 24 endneoli-thische / chalkolithische Tonstatuetten gefunden. Das wichtigste Fundensemble fand sich unter Haus 8c (Abb. 01) und besteht aus 17 ganz erhaltenen bzw. fragmentierten Statuetten. Sie lagen innerhalb eines Hauses in einer mit Steinen eingefassten Grube. Ein weiterer Fundkontext von drei Tonstatuetten aus dem Areal unter Haus 1 (Abb. 01) lag über einem Boden in der Nähe einer Feuerstelle. Hinzu kommen Einzelfunde von schematischen Statuetten, die vom Mittelneolithikum bis in die Frühbronzezeit (FH I) datieren.

Die Statuetten sind typologisch in naturalistische Statuetten mit Angabe der primären Geschlechtsmerkmale und kreuzförmige schematische Statuetten ohne Angabe des Geschlechts zu trennen. Weiter ist aus ihrem Kopfschutz, bei dem es sich bei den männlichen Statuetten um spitze, zum Teil abnehmbare Kappen, bei den weiblichen Statuetten um flache Kopfbedeckung handelt, das Geschlecht der Statuetten zu erschließen.

Vom Fundkomplex unter Haus 8c lagen elf Statuetten lose in der Grube, dagegen lehnten sechs Statuetten in vier, zum Teil fragmentierten Miniaturgefäßen. Eine naturalistische männliche Statuette (Abb. 02) sowie eine weibliche Statuette waren einzeln in ein Gefäß gesetzt. Dagegen befanden sich in jeweils einem Gefäßfragment ein männliches bzw. ein weibliches gleichgeschlechtliches Paar von Statuetten unterschiedlicher Größe. Eines dieser Paare war mit Hilfe einer Kalkmasse auf dem Gefäßboden fixiert (Abb. 03). Anzunehmen ist, dass die Gefäße als Lebens- bzw. Wohnraum der Statuetten zu deuten sind, gleichzeitig aber die einzelnen Statuetten miteinander in Bezug standen. Demnach sind die Statuetten als Wiedergabe von Teilen der neolithischen, auf dem Haushalt basierenden Gesellschaft zu verstehen. Vermutlich handelt es sich bei diesem Grubenfund um ein Gründungsdepot kommunalen Charakters, wobei die Statuetten klar in Bezug zu den Dorfbewohnern sowie zu den Bewohnern jenes Hauses zu setzen sind, das über dieser Grube errichtet war.


Literatur:

  • E. Alram-Stern, Men with Caps. Chalcolithic Figurines from Aegina-Kolonna and their Ritual Use, in: E. Alram-Stern et al. (Hrsg.), Metaphysis. Ritual, Myth and Symbolism in the Aegean Bronze Age. 15th International Aegean Conference, Vienna, 22.–25.04.2014, Aegaeum 15, Liège, im Druck.
  • F. Felten – S. Hiller, Ausgrabungen in der vorgeschichtlichen Innenstadt von Ägina-Kolonna (Alt-Ägina), ÖJh 65, 1996, 67.

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