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Grabungskampagne 2017 (14.08.-08.09.2017)

 

Im Rahmen des Projektes „Early Mycenaean Aegina: Documenting the Eastern Suburbs of Cape Kolonna“ wurden die Forschungen und Arbeiten in der Äußeren Vorstadt im Nordosten von Kolonna fortgesetzt.

 

 

1. Grabungen in der Äußeren Vorstadt

 

Die beiden Areale K10 und K01 waren bei den Ausgrabungen in den 1980er Jahren nicht vollständig freigelegt worden und bieten nun für neue Untersuchungen einen wertvollen, stratigraphischen Anknüpfungspunkt zu den älteren Zeugnissen.

Ägina Kolonna - Planausschnitt Äußere Vorstadt (gelbe Markierung zeigt Grabungsareale 2017 in K01 und K10)
Ägina Kolonna - Planausschnitt Äußere Vorstadt (gelbe Markierung zeigt Grabungsareale 2017 in K01 und K10)

 

1.1. K10

In K10 konzentrierten sich die Arbeiten auf den bisher ungegrabenen Nordwest-Teil der Kammer. Die bei den vorangegangenen Grabungen 2015 und 2016 in der übrigen Kammer angetroffenen frühmykenischen Zerstörungsschichten setzten sich auch in diesem Teil fort. Die nacheinander abgelagerten Schichten fallen stark von Norden nach Süden. In der Nordwest-Ecke sind die unteren Schichten durch eine einheitliche Verfüllung gestört. Die oberen Zerstörungsschichten reichen an die Westmauer M176 heran, die zum Zeitpunkt der Ablagerung der Schichten bereits gestanden haben muss.

Die Zusammensetzung der Schichten deutet auf eine primäre Brandzerstörung zumindest eines Gebäudes in Späthelladisch IIA (16. Jh. v. Chr.) hin. Es fand sich eine hohe Konzentration von Holzkohlestücken, teils verbranntem Lehm, Knochen und Mollusken sowie verkohlte Keramik. Verstürzte Steine konzentrierten sich v.a. in den Ecken, entlang der Mauer M176 und in der Raummitte.

Neben vielen, teils vollständig erhaltenen oder rekonstruierbaren feinen Gefäßen, Schalen, Kyliken oder Kännchen, der Phasen Mittelhelladisch III bis Späthelladisch IIA kamen einige Koch- und Vorratsgefäße zutage. Zur Gefäßkeramik fanden sich Im Fundmaterial, wie bereits im vergangenen Jahr, verschiedene Hinweise auf Arbeiten im häuslichen Bereich: Mahl- und Klopfsteine, Spinnwirtel sowie einige Obsidianklingen und –abschläge.

Bei Niveau 12.00/11.95 kam im Nordteil der Kammer ein harter dichter Lehmhorizont zum Vorschein. Die Grabungen wurden 2017 bei diesem Niveau eingestellt und werden im kommenden Jahr zur Klärung des mutmaßlichen Bodenhorizonts in der gesamten Kammer 10 fortgeführt.

 

1.1. K01

2017 wurde mit der Neuuntersuchung einer Kammer begonnen, in welcher 1980er Jahren eine Restfläche im Nordostteil nicht ausgegraben wurde. Die Kammer K01 befindet sich nordwestlich von K10 und liegt in der Äußeren Vorstadt unmittelbar an der Befestigungsmauer der Inneren Vorstadt. Der schmale Raum wird von 0,75m breiten Mauern umgeben, die heute noch teilweise bis über 2m hoch erhalten sind.

In einem ersten Schritt wurde der Erdsockel in der Mitte der nordöstlichen Längsseite untersucht (bis Niveau +12.40m). Der Sockel bestand aus einer einheitlichen Packung aus rötlich lehmigen Sediment mit viel Keramikfragmenten, Knochen, Mollusken sowie Obsidian. Die Zusammensetzung lässt auf eine Auffüllung der Kammer in späthelladischer Zeit (SH IIA-B) schließen.

Als Vorbereitung für die archäologische Untersuchung der darunterliegenden ungestörten Schichten in der Nord-Ecke (ab Niveau +12.40m) im kommenden Jahr, wurde das nach den Grabungen in den 1980er Jahren wieder eingefüllte Material in zwei Schnitten im Südwesten und Südosten entfernt.

 

 

2. Archäobotanische Untersuchungen

 

2017 begann A. Karathanou mit der Untersuchung der makrobotanischen Reste aus den flotierten Erdproben der Grabungen 2015 und 2016. Eine erste mikroskopische Durchsicht ermöglichte die Erstellung einer vorläufigen Liste der in K10 erhaltenen Pflanzenarten sowie eine grobe Einschätzung der Menge und Zusammensetzung. In allen Proben wurde Holzkohle beobachtet in variierender Anzahl und Größe. Das Spektrum an Getreide, Hülsenfrüchten und Früchten ist auch von anderen späthelladischen Fundorten bekannt. Auffallend ist eine große Anzahl mineralisierter Feigensamen, die auf Fäkalienablagerungen hinweisen. Die Anzahl und die gemischte Zusammensetzung der botanischen Reste belegt die Verarbeitung und Verwertung dieser Pflanzen und Lebensmittel innerhalb der Wohnsiedlung, jedoch keine ausgeprägte Vorratshaltung.

Detaillierte Ergebnisse sind nach der Analyse aller makrobotanischen Reste und in Kombination mit den stratigraphischen Daten zu erwarten.

 

 

1. Mauersanierung in den prähistorischen Vorstädten im Osten

 

Die seit 2014 regelmäßig stattfindenden Sanierungsarbeiten der baulichen Strukturen im Nordosten der Vorstädte wurde 2017 fortgesetzt. Durch Untermauerung der unterspülten Fundamentbereiche, Schließung ausgewaschener Fugen und Festigung offener Mauerkronen konnten einige stark gefährdete Mauerstücke saniert werden, wie etwa die stark geneigte Ostseite der Inneren Vorstadtbefestigung.

Zudem konnte mithilfe von älteren Aufnahmen und Zeichnungen nach dem Konzept der Anastylose unlängst verstürzte Mauerabschnitte wieder hergestellt werden.

LITERATUR:

Berger L. / Karathanou A. 2020: Evidence for a Destruction of a LH IIA building at Aegina Kolonna and its Macrobotanical Remains. In: Berger L. / Huber L. / Lang F. / Weilhartner J. (Hrsg.), Akten des 17. Österreichischen Archäologentages am Fachbereich Altertumswissenschaften, Klassische und Frühägäische Archäologie der Universität Salzburg vom 26. bis 28. Februar 2018. Salzburg, 25-38

Grabungsleitung: W. Wohlmayr (Universität Salzburg)

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: L. Berger (Universität Salzburg), A. Tanner (ETH Zürich)

Studierende der Universität Salzburg: M. Efthymiou, E. Kreuz, M. Pfeifenberger, H. Ritzinger,

                                                             J. Schnöll, A. Sendlhofer, A. Stollnberger, E. Thysell

Temporärer Mitarbeiter: M. del Negro (Fotografie)

Kooperationen: ÖAI Athen; H. Birk (Geodäsie), A. Karathanou (Universität Thessaloniki;

                          Archäobotanik); G. Tsartsidou (Phytolithenanalyse), F. Kanz (Medizinische

                          Universität Wien, Purpurfarbanalysen), J. Sterba (Universität Wien,

                          Bimssteinanalysen)

 

Finanzierung: Paris Lodron Universität Salzburg, INSTAP Philadelphia (U.S.A.)


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