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Grabungskampagne 2013 (29.7. – 31.8.2013)

 

 

Hauptziel der Sommerkampagne waren weitere Grundlagenarbeiten zur Erstellung eines georeferenzierten Gesamtplans des Areals im Rahmen des Projektes „Mapping Aegina Kolonna“. Zudem wurde die Analyse der Bebauung in den prähistorischen Vorstädten im Osten fortgeführt und detaillierte Studien zum Befund des Hauses 7, des sog. „Töpferhauses“ unternommen.

Die Materialstudien wurden ergänzt durch Untersuchungen der korinthischen Keramik des 6. Jhs. v. Chr. aus älteren Grabungen von V. Saripanidi und der Keramik und Kleinfunde aus dem Westkomplex im Rahmen eines durch den FWF geförderten Projektes unter der Leitung von G. Klebinder-Gauss.

 

1. Fortführung der Vermessung und Planaufnahme im Bereich der östlichen Vorstädte

Die 2011 begonnene Neuaufnahme der Baustrukturen in der Inneren und Äußeren Vorstadt im Osten wurde im Zuge der Lehrgrabung der Paris-Lodron Universität Salzburg 2013 fortgesetzt. Die steingerechte Aufnahme (M 1:20) konnte mit Ausnahme weniger Abschnitte der östlichen Befestigungsmauer und der sog. Rampe abgeschlossen werden.

 

2. Analyse der baulichen Strukturen in den prähistorischen Vorstädten im Osten, Mauertypen, Phasenplan, Lehmmörtel-Analysen

Basierend auf den Arbeiten der Jahre 2011 und 2012 wurde die Analyse der prähistorischen Mauern in den östlichen Vorstädten fortgeführt und die Dokumentation abgeschlossen.

 

Die ausführliche, aktuelle Dokumentation (Mauerbeschreibung und Fotos aller Ansichtsseiten der prähistorischen Mauern) wurde von A. Tanner durch weitere Ansichtspläne (M 1:20) von relevanten Mauern, die Hinweise auf verschiedene Bauphasen geben, ergänzt. Es konnte ein vorläufiger Phasenplan der prähistorischen Bebauung unmittelbar östlich des Tempels mit vier klar trennbaren Bauphasen erstellt werden.

 

Das Studium der Mauertechniken führte A. Tanner zu einer Differenzierung von zehn Mauertypen (Typen A-J), die durch die Gesteinsarten, die Steingrößen und -formen sowie die Mauertechniken charakterisiert werden. Die verschiedenen Techniken, die auch gleichzeitig auftreten können, wurden mitunter über mehrere Generationen und Bauphasen hinweg angewendet.

In einer Kammermauer (M 135) nördlich des Tempelfundaments wurden Reste eines Lehmmörtels gefunden. V. Kilikoglou vom Demokritos Institute of Material Sciences in Athen untersuchte davon zwei Proben im Hinblick auf ihre Zusammensetzung und Magerung. Es ergab sich dabei, dass der Lehmmörtel ähnlich fein geschlämmt ist wie der im Inneren des Töpferhauses. In einer Probe wurde eine dichte Haarbeimischung festgestellt, in einer anderen Pflanzenrückstände. Die Ergebnisse der chemischen Analysen des verwendeten Mergeltones sollen 2014 anhand weiterer Proben aus anderen Mauern im Bereich der östlichen Vorstädte ergänzt werden.

          

          3. Stützung gefährdeter Mauern

Zwei der meistgefährdeten Mauern in den östlichen Vorstädten (M 154, M 224) wurden 2013 gestützt und stabilisiert.

         

         4. Untersuchungen zum Haus 7 /“Töpferhaus” in der Inneren Vorstadt

Das Haus 7 in der Inneren Vorstadt wurde in den 1980er Jahren unter H. Walter freigelegt. Die Häuser 1-8 stellen Raumfolgen dar, deren östliche Außenmauern die Befestigungsmauer der Inneren Vorstadt bildet, an der sie unmittelbar angesetzt wurden. In Haus 7 fand sich ein gut erhaltener, kleiner Töpferofen. Zudem wurden bei der Ausgrabung an der Innenseite der Mauern Reste einer 10 cm dicken Putzschicht konstatiert, die heute nur mehr in geringen Resten erhalten ist.

 

4.1. Der Töpferofen

 

Die Pläne, Schnittzeichnungen und Fotos des Töpferofens in Haus 7, die G. Praschak, ein ehemaliger Mitarbeiter des damaligen Ausgräbers und Spezialist für Keramikproduktion, zur Verfügung stellte, wurden überprüft und der derzeitige Erhaltungszustand auf den bestehenden Plänen dokumentiert.

4.2. Analysen der Verkleidung des Ofens und von Putzresten (Stereoskopie, SEM-EDS)

V. Kilikoglou (Demokritos Institut, s.o.) entnahm auch Proben der Innen- und Außenverkleidung des Ofens (KOL13/01, KOL13/02, KOL13/03) und vom Verputz der bereits durch die Witterung stark angegriffenen Rückwand des Hauses, die der Befestigungsmauer entspricht (KOL13/04, KOL13/05).

Der Ofen ist an der Innenseite mit Lehm verkleidet, der mit organischen Fasern (vermutlich Stroh) versehen ist, von welchen sich Reste erhielten. Dies weist daraufhin, dass der Ofen nicht über längere Zeit über 600 °C erhitzt wurde. Die bisher untersuchte Keramik aus Ägina wurde jedoch mit höheren Temperaturen gebrannt (800-1200 °C). Weitere Beprobungen sollen 2014 klären, zum Brand welcher Objekte oder Objektgruppen der verhältnismäßig kleine Ofen eventuell verwendet wurde.

Für den Verputz der Mauern wurde Mergellehm in seiner natürlichen Form verwendet, der auf der Insel reichlich vorhanden ist.

 

4.3. Keramikstudien

Das in Haus 7 zutage getretene Fundmaterial wurde nicht vollständig aufbewahrt. Die aufbewahrte Auswahl der Keramik wurde 2013 neu aufgenommen. Die stratigraphischen Informationen erlauben eine Einteilung der Funde in sieben Fundgruppen (FG 224 – FG 230).

Der Großteil der Fundstücke stammt aus der Auffüllung in Haus 7 oder allgemein aus diesem Bereich. Einige Fragmente wurden in einer Schicht auf dem oder im Fußboden gefunden. Nur ein schlecht erhaltenes Fragment einer matt bemalten Schale lag laut Fundangaben bei der Freilegung „auf dem Ofen“.

Mehr als zwei Drittel der Keramik stammt von mattbemalten Gefäßen, die sowohl kleiner Formen wie karinierten, einhenkeligen Schalen oder Kantharoi oder größeren Tafel- oder Vorratsgefäßen (Amphoren oder Pithoi) angehören. Das Fundmaterial inkludiert ebenso grauminysche Fragmente äginetischen Ursprungs oder aus umliegenden Regionen. Neben einer minoischen Kamares-Kanne finden sich zudem wenige Stücke anderer Gefäßklassen (solidly painted (red), light painted on red polished, light on dark painted, dark burnished und unpainted fine ware).

Die Gattungen, die Formen und Dekorarten entsprechen dem Keramikspektrum der Phase I (Kolonna IX).

4.4. Der Kernos

Die Auffüllung in Haus 7 beinhaltete außerdem einen Opferstein, einen sog. kernos (Inv.Nr. D 113, L. 50,5 cm, H. 21,7 cm, B. 41,4 cm). Der dunkelgraue Stein weist eine unregelmäßige Form auf. An der geglätteten Oberseite finden sich 13 zwischen 4,1 und 5,4 cm große, seichte (T. 0,7-1,8 cm) Vertiefungen. Kernoi dieses Typs sind gut bekannt aus palatialen Kontexten auf Kreta. Ihre tatsächliche Funktion ist nicht geklärt. Häufig wird eine Verwendung als Opfer- oder Spieltische vorgeschlagen. Am griechischen Festland treten derartige Objekte selten auf. In Ägina lässt sich in der mittleren Bronzezeit eine starke minoische Präsenz nachweisen, die eventuell auch das Auftreten des Kernos erklären kann.

 

5. Fortführung der geophysikalischen Untersuchungen des Instituts für Geowissenschaften der Universität Kiel (Deutschland)

Die geophysikalischen Untersuchungen wurden wie im Vorjahr von H. Stümpel, C. Klein und ihrem Team vom Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel durchgeführt. Als Prospektionsmethode hat sich 2012 die Geoelektrik als effektiv erwiesen, welche die besten Resultate erbrachte. So beschränkte sich das Team 2013 auf die Anwendung dieser Methode in den restlichen Untersuchungsflächen. Neu untersucht wurden weitere Flächen im Süden, im Westen und der Bereich nördlich der freigelegten Bebauung.

Im Norden könnten verschiedene Strukturen in 50-140 cm Tiefe Teile der Fortsetzung der bronzezeitlichen Befestigung wie auch weiter östlich der spätrömisch/ byzantinischen Befestigungsmauer darstellen.

Auch in den Untersuchungsarealen im Westen zwischen der prähistorischen Innenstadt und dem Westkomplex an der Kapspitze lassen sich Mauern und Strukturen erkennen, die in ihrer Orientierung mit den freigelegten Bauten korrespondieren.

Im Süden konnten die mutmaßliche Fortsetzung der hellenistisch-römischen Hafenmauer und eine mauerähnliche Struktur westlich davon bis in eine Tiefe von 2 m beobachtet werden.

 

 

6. Studien zur korinthischen Keramik aus älteren Grabungen in Kolonna (V. Saripanidi)

Neben den Feldarbeiten und den Untersuchungen zu den östlichen Vorstädten kam es zu Studien an Funden aus den Grabungen von H. Walter. E. Walter-Karydi übertrug einen Teil der korinthischen Keramik zur Bearbeitung an V. Saripanidi (Universität Brüssel), die zum Erststudium des Materials für zwei Wochen im August im Museum in Ägina tätig war.

 

Zusammenfassung des Berichts von V. Saripanidi:

Die korinthische Keramik wird in 80 Kisten im Museumsdepot von Ägina aufbewahrt. Die überwiegend kleinteiligen Fragmente stammen größtenteils von H. Walter’s Ausgrabungen um den Apollontempel von Kolonna, aber manche Stücke traten bei älteren Ausgrabungen zutage (z.B. 1873/74 oder 1924) oder wurden in Gräbern außerhalb Kolonnas (z.B. Phylakès und Pyrgoi) gefunden. Nach E. Walter-Karydi kam es bei einer Umlagerung des Materials nach einem Museumseinbruch zur Vermischung dieser Fundkontexte. Da die Fundortangabe auf den meisten Fragmenten fehlt, ist es nicht nachvollziehbar, wie viele und welche Stücke tatsächlich aus Kolonna stammen.

Die Keramik datiert in die Subgeometrische bis Spätgeometrisch I Periode. Aus der 2. Hälfte des 6. Jhs. v. Chr. stammen jedoch nur wenige Fragmente. Die häufigsten Gefäßformen sind Oinochoen, Kotylen und Pyxiden, die durch eine lange Serie an Beispielen unterschiedlicher Formen und Größen repräsentiert werden. Weiters finden sich Säulenkratere, Skyphoi, Tassen, Aryballoi, Alabastra, Exaleiptra, Lekaniden und vielleicht Amphoren sowie Fragmente von drei archaischen Lampen. Der Großteil der Gefäße ist von mittlerer oder geringer Größe und ist mit Tierkompositionen, floralen oder linearen Mustern verziert. Es finden sich auch Gefäße mit vollständigem oder partiellem Überzug.

Dennoch deuten einige Fragmente auf Gefäße von verhältnismäßig großer Gestalt. Wenige Stücke sind mit narrativen Szenen dekoriert, die jedoch meist in die 2. Hälfte des 7. Jhs. v. Chr. datieren.

 

Grabungsteam 2013:

Grabungsleitung: K. Sporn (Universität Salzburg)

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: L. Berger (Universität Salzburg), A. Tanner (ETH  Zürich)

Studierende der Universität Salzburg: M. Deisenhammer, D. Frank, S. Frühwirth, E.M. Kreuz,

M. Leibetseder, J. Ries, P. Seidl

Temporäre MitarbeiterInnen: H. Birk; V. Saripanidi (Universität Brüssel); B. Schneider

               (Keramikrestauration)

Kooperation: H. Stümpel und C. Klein mit K. Rusch, K. Burmeister und A. Fediuk (Institut für

       Geowissenschaften der Universität Kiel), V. Kilikoglou (Demokritos Institute for

       Material Sciences Athen)

 

Finanzierung: Paris-Lodron Universität Salzburg, INSTAP Philadelphia (U.S.A.)

 

 

Erstellung eines digitalen Oberflächenmodells und eines 3D-Plots (IFFB Geoinformatik - Z-GIS der Universität Salzburg (J. Strobl) und H. Ragg)

 

Nach Abschluss der Kampagne wurde für die Veranstaltung „Uni hautnah“ der Universität Salzburg (Europark, 07.-09.11.2013) ein 3D-Modell und ein 3D-plot des Geländes (50 x 33,4 x 

3 cm) erstellt. Sie basieren auf den photogrammetrischen Daten des im Vorjahr vom IFFB Geoinformatik - Z_GIS (S. Russ, C. Seekircher) erstellten Orthophotos des gesamten Grabungsareals. Der 3D-Plot ist nun in der Abgusssammlung des Fachbereichs Altertumswissenschaften (Residenzplatz 1) ausgestellt.


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